„Ich mache mir Gedanken, wie lange das noch gutgeht“, schreibt ein junger Grundschullehrer aus Norddeutschland, der bei der Identitären Bewegung aktiv ist. Er befürchtet eine Denunziation, ein erzwungenes „Outing“, und mögliche berufliche Konsequenzen. Auch wenn sein politisches Engagement keinen Kündigungsgrund im juristischen Sinne darstellt, kann sich jeder vorstellen, wie der linke Gesinnungsterror einem „entlarvten“ Dissidenten den Berufsalltag zur Hölle machen kann – bis hin zu gewalttätigen Übergriffen auf dem Nachhauseweg.

Mittlerweile dürfte es in Deutschland einige Zehntausend dieser heimlichen Dissidenten an den unterschiedlichsten Stellen geben. Dennoch kann uns die globalistische Linke, die in der Nachfolge von 68 die Institutionen und Massenmedien kontrolliert, nach wie vor das Gefühl vermitteln, unsere Position sei randständig und isoliert. In der Tat muss man anerkennen, dass sich unsere Ausgangslage von der der 68er unterscheidet: Ein Generationenwechsel führte dazu, dass beispielsweise an den Universitäten ganze Institute innerhalb weniger Jahre „kippten“ und sich die Deutungshoheit spürbar verschob.

Wie drastisch und rasant die Veränderung damals gewesen sein muss, lässt der SPIEGEL-Titel vom 9. April 1973 erahnen: „Radikale im Staatsdienst – Wie rot dürfen Lehrer sein?“ Es waren Leute in den Schuldienst nachgerückt, die ihre verfassungsfeindliche Einstellung teilweise kaum verbargen. Dass der berühmte „Marsch durch die Institutionen“ von konservativen, verfassungstreuen Kräften letztendlich nicht aufgehalten werden konnte, ist bekannt.

Heute finden wir eine Situation vor, in der die meisten Linken in dem Selbstverständnis leben, dass ihr gesamtes Umfeld natürlicherweise genauso eingestellt sein müsse wie sie selbst. Das Wort „Demokratie“ hat für sie nicht mehr die Bedeutung von Meinungspluralität oder gar Volksherrschaft, sondern ist zum ideologischen Kampfbegriff verkommen, der für die Ziele eines totalitären Globalismus missbraucht wird. Deshalb sind solche Leute nicht nur überrascht von abweichenden Meinungen, sondern fühlen sich durch die bloße Anwesenheit Andersdenker oft geradezu bedroht und angegriffen.

Dabei sind es nicht wir, die diesen Zustand herbeigeführt haben. Das erzwungene Versteckspiel vieler Patrioten ist der totalitären Diskursverschiebung geschuldet: Wer abweichende Meinungen diffamiert, stigmatisiert und ausgrenzt, will Andersdenkende zum Schweigen bringen und erreicht damit in allermeisten Fällen auch genau das. Die Unterstellung von linker Seite, wir seien „Demokratie- und Verfassungsfeinde“, „rechte U-Boote“ mit perfider Unterwanderungsabsicht, erweist sich als Projektion: Weil die 68er und ihre Nachfolger genau wissen, wie das funktioniert, einen Staat unterwandern und seine Prinzipien von innen heraus aushöhlen, wittern sie ebendieses Manöver permanent beim politischen Gegner. Sie leben in ständiger Angst vor den eigenen verdrängten Dämonen.

Der Konflikt ist also selbsterzeugt. Patrioten sind lediglich – mit Ernst Jünger gesprochen – Waldgänger, also geistige Partisanen, die sich nicht überall sofort als Nonkonformisten zu erkennen geben, um sich nicht sinnlos zu „verbrennen“. Wenn man ein totalitäres System an der Zahl von Waldgängern erkennen kann, die es hervorbringt, dann leben wir offenbar bereits in einem totalitären System.

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