Einmal die Woche führt uns die feministische Autorin und Bloggerin Margarete Stokowski unter der Kolumnenrubrik auf Spiegel Online in die Welt der unterdrückten Minderheiten ein. Ich habe bereits vor zwei Jahren mit der Wahl von Donald Trump den akribischen Kampf der sogenannten „Social Justice Warriors“ (kurz SJW) in den USA verfolgt.
Vordergründig junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren kämpfen gegen die strukturelle Diskriminierung von Schwarzen und Frauen und geben dabei einige unfreiwillig lustige Einblicke in ihre Gedankenwelt.

Inzwischen gibt es auf YouTube sogar schon ganze Best-of-Serien von SJW´s. Man dachte, in Deutschland sei die Linke noch nicht so weit, doch jede irre Komik aus den USA kommt zwangsläufig auch irgendwann in Deutschland an.

Eine der populärsten Stimmen dieser Bewegung ist Margarete Stokowski. Ihr Wikipedia – Eintrag liest sich wie eine linksliberale Bilderbuchbiographie: Studium der Philosophie und Sozialwissenschaften und seit 2009 regelmäßige Autorin bei der TAZ und Spiegel Online.
Nebenbei schreibt sie noch Bücher, die sich mit ihrem Leidenschaftsthema, dem Feminismus und den Unterdrückungsstrukturen des männlichen und weißen Patriachats auseinandersetzen. Frau Stokowski geht es nicht nur um die nüchterne Darstellung linker und emanzipatorischer Positionen. Sie will das Patriachat herausfordern. Dabei ist das Patriachat für sie nur noch ein lästiger Übergang, der früher oder später eh überwunden wird.

Allgemein legt Stokowski in ihren Kolumnen wenig Wert auf echtes Wissen und differenzierte Betrachtung. Ihr geht es nicht um den Perspektivwechsel; sie sieht in der Sichtweise und dem Verhalten ihrer ideologischen Gegner keine legitime Entscheidung für eine moralische Position, sondern bedient sich immer wieder gleichermaßen demselben Muster: Pathologisierung des Gegners und Pflege der eigenen Opferrolle:

Für sie sind weiße, männliche und heterosexuelle Personen keine adäquaten Personen, die im gesellschaftlichen Diskurs eine legitime Meinung vertreten könnten, außer sie ist mit einem latenten Schuldeingeständnis verbunden.

Somit ist das Urteil jener Personen mit den entsprechenden Identitätseigenschaften per se schon durch eine vermeintliche Geisteshaltung geprägt, die darauf ausgerichtet ist, die gesellschaftlichen Machtstrukturen zu erhalten. Die Debatte hatten wir besonders im Jahr 2018 sehr intensiv geführt. Über #MeeToo und #MeeTwo konnten Frauen und Migranten über ihre alltäglichen Diskriminierungserfahrungen berichten. Wer es wagt, als Privilegierter hier in die Debatte einzusteigen und dabei kritische Töne anschlägt, hat sich schon qua eigener persönlicher Herkunft disqualifiziert. Stokowski stellt dies wie folgt dar:

„Aktuell sind wieder allenthalben Hobbypsychologen unterwegs, die „Verfolgungswahn“ diagnostizieren oder Rassismusvorwürfe als „wirr“ und „absurd“ abtun, in der grotesken Anmaßung, sie könnten anderen nicht nur ihre Urteilskraft über gesellschaftliche Zustände absprechen, sondern auch ihre Erfahrungen selbst.“

Es ging bei #MeeToo und #MeeTwo nie um eine wirklich ernsthafte Debatte im Sinne von These und Antithese. Die gegenseitige Bekenntnismasturbation war das einzige Ziel. Dies ist das Dilemma der heutigen linken Filterblase. Ihr geht es um Haltung und Bekenntnis und nicht um Debatte und Argument.

Stokowski ist das Sinnbild des verelendeten, linken Intellektuellen. Keine eigenen scharfen Ideen, „First World“ – Probleme und hypersensible Reaktionen auf Kritik. Und so passt es natürlich ins Bild, dass Stokowski vor wenigen Tagen eine Buchlesung in einer Münchener Buchlesung absagte, weil entsprechende Filiale auch Bücher der Neuen Rechten vertreibt. Der Vorwand ist das bekannte Argumentationsmuster, dass sie es nicht vertreten könne, dass durch die Auslagen in einer Buchhandlung der rechte Diskurs normalisiert werden könne.

Diese offensichtliche Flucht der Linken vor gesellschaftlich relevanten Debatten um existenzielle Belange unseres Volkes vertieft den Entfremdungsgraben zu den klassischen Adressaten linker Politik. Die politische Linke verliert damit schrittweise jedweden Mandatsanspruch als politische Gestaltungskraft, mehr noch, sie erklärt quasi öffentlich ihr Unvermögen oder Unwillen dazu.

Dass die Buchhandlungen dennoch vollgestopft sind mit gedruckten Oberflächlichkeiten über linke -und linksliberale (Pseudo)- Problemchen, spielt für die tatsächliche Diskurshoheitsgewinnung keine Rolle. Die allmähliche Normalisierung rechten Denkens findet statt. Wir haben so oft die besseren, vernünftigeren, greifbareren Argumente und vor Allem die Realität auf unserer Seite. Die Leser lechzen nach rechter Literatur. Die Wirkmächtigkeit und auch das intellektuelle Niveau von rechts können nicht mehr nur belächelt werden. Daran wird auch Frau Stokowski und ihre Hoffnung auf die bald kommende emanzipierte Gesellschaft nichts ändern. Die dringend notwendige Debatte wird geführt werde – ob mit oder ohne sie.

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