Der letzte Sonntag wurde im patriotischen Lager vor allem emotional gespalten betrachtet. Natürlich waren für die Patrioten die Blicke in erster Linie  auf das Abschneiden der Alternative für Deutschland gerichtet. Mit 10,2% wurde der vorletzte Landtag in der Bundesrepublik erobert. Nächste Woche dürfte dann mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Hessen als letztes Parlament dazukommen.

Dennoch blieb man hinter dem erwarteten Zielergebnis von 15% zurück. Alle weiteren Parteien bis auf die Grünen und die freien Wähler mussten jedoch herbe Verluste einstecken. Insbesondere die CSU, die jahrelang die Alleinherrschaft in Bayern inne hatte, konnte ihr Ziel der absoluten Mehrheit im Freistaat nicht halten und wird sich nun mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ein Bündnis mit den Freien Wählern einlassen müssen, die sich um wenige Prozentpunkte auf 11,6% verbessern konnten.

Ungebremst scheint jedoch der Zerfall der einstigen Volksparteien. Sowohl SPD als auch CSU verloren über 10% ihrer Wählerschaft. Dieser Bundestrend eröffnet zumindest die Frage inwieweit der Begriff der „Volkspartei“ noch Gültigkeit haben kann. Die Wählerpräferenzen scheinen sich zunehmend auseinander zu differenzieren und spiegeln sich nicht mehr in einer der vormals großen Zentrumsparteien der CDU oder der SPD wieder. Diese Tendenz ist auch eine Chance für die AfD, da die Wähler nach neuen Orientierungspunkten suchen. Die Lust am politischen Streit und dem Bekenntnis für eine politische Haltung erzeugen Dynamiken, die eine grundsätzliche Erneuerung des politischen Klimas vorwegnehmen. Es muss sich vergewissert werden, dass die Alternative für Deutschland seit ihrem Bestehen einen ununterbrochenen Durchmarsch durch die Parlamente des Landes vorgenommen hat.

Es gibt kein vergleichbar erfolgreiches Parteiprojekt seit Bestehen der Bundesrepublik und so sollte vielleicht auch die Geduld und Strukturierungsarbeit in Zukunft eine Tugend sein. Natürlich folgt hier schnell der Einwand, dass man dafür nicht lange genug Zeit hätte, da der Niedergang des Landes bereits an Fahrt aufgenommen hat. Doch zu jedem politischen Erfolg gehört auch die Konsolidierung der eigenen Projekte und der Aufbau dauerhaft arbeitsfähiger Strukturen, die auch eventuelle Durststrecken kompensieren können. Das politische Geschäft bedeutet eben auch Aufbau von fähigem Personal, Kaderförderung, eigene Öffentlichkeitskanäle hochziehen und Erfahrungen sammeln.

Die Wählererwartung an die AfD richtet sich unzweifelhaft an eine mittelfristige Regierungsbeteiligung. Doch es ist Vorsicht geboten, in dieser Verantwortung nicht vollständig unterzugehen. Erstrangiges Ziel einer Partei sollte sicherlich das Gewinnen von Wählerstimmen sein. Doch Parteien sind viel komplexere politische Ökosysteme, die Interessen bündeln, eine öffentliche Agenda setzen und Debatten anstoßen. Wahlen sind nur das Finale aus der mühesamen Strukturarbeit. Daher ist jeder Wahlerfolg der AfD zu begrüßen. Aber auch eventuelle Misserfolge sollten nicht zu Unmut führen, sondern eher als Chance der eigenen Reflexion und der Strukturstärkung gelten.

1 Kommentar

  1. … Sowohl SPD als auch CSU verloren über 10% ihrer Wählerschaft. …
    Das ist falsch. Sie verloren je 10% der gesamten Wählerschaft – ein großer Unterschied.

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