Am Samstag fand erneut eines der vielen linken Selbstvergewisserungsrituale in der Hauptstadt statt. Unter dem Motto „Unteilbar“ versammelten sich verschiedene Bündnisse von linken Parteien, Kulturschaffenden und Organisationen, um ein Zeichen gegen „Ausgrenzung, Rassismus, Sexismus, steigende Mieten, Klimawandel, Armut und Abschiebungen etc.“ zu setzen. Angesichts der breiten Themenauswahl war es für jeden möglich, sich am Buffet der populären Forderungen zu bedienen. Im Vorfeld riefen Jan Böhmermann oder der Schauspieler Benno Führmann zu der Demonstration auf.

Auch das Abschlussprogramm mit Herbert Grönemeyer und Konstantin Wecker dürfte den einen oder anderen Gutmenschen der Generation 50+ dazu animiert haben, den Samstag- Nachmittag im sonnigen Berlin zu verbringen. Die Veranstalter sprachen von 240.000 Teilnehmern. Auch die Polizei bestätigt zumindest eine Zahl im unteren sechsstelligen Bereich. Die Teilnehmer sammelten sich laut offiziellen Angaben aus den verschiedensten gesellschaftlichen Spektren. Ein Zeichen der dominierenden linken zivilen Mehrheit in diesem Land sollte gesetzt werden.

Doch auch trotz der 240.000 Menschen wird sich der von den Veranstaltern beklagte „Rechtsruck“ in Deutschland nicht aufhalten lassen. Demonstrationen sind und bleiben Symbolpolitik. Denn 240.000 Menschen, die für linke Positionen auf die Straße gehen, sind am Ende auch keine repräsentative Mehrheit, wenn sie von Prominenten bis hin zu höchsten Staatsämtern und Ministerien Rückendeckung erhalten und mit einem kostenlosen Unterhaltungsprogramm sowie Reisekostenerstattung gelockt werden. Trotz solcher Massenveranstaltungen muss man zur Kenntnis nehmen, dass bei der letzten Bundestagswahl sechs Millionen Deutsche die AfD gewählt haben und die aktuellen Umfragen darauf hindeuten würden, dass sich dieser Wert noch gesteigert hat. Und dennoch erreichen große AfD Demonstrationen nur selten die 15.000er Marke. Für links zu demonstrieren erfordert nichts weiteres als Gratismut.

Denn niemand, der eine linke Demo besucht, muss Denunziationen beim Arbeitgeber und Jobverlust fürchten oder Angst um seine existenziellen Werte und Besitztümer haben. Mit Konzerten, hippem Lifestyle und kaum Risiken und Konsequenzen wird ein lauwarmes Demonstrationsangebot geschaffen, wo selbst die politischen Forderungen nur noch als Feigenblatt dienen.

Auch das Demonstrationsmotto und die inhaltlichen Vorstellungen von Veranstalter und anderen Initiatoren gingen recht weit auseinander. So wurden bereits im Vorfeld einmal mehr die klassischen Empörungsmechanismen abgespielt, als die Fraktionsvorsitzende der Linkspartei Sarah Wagenknecht ihre Teilnahme an der Demonstration absagte. Ihre Begründung: Die Unteilbar-Demo sollte einen gesellschaftlichen Querschnitt abbilden und zusammenführen. Durch die klare Positionierung auf eine bedingungslose Politik der offenen Grenzen würde man jedoch einen signifikanten Anteil der Bevölkerung von vornherein ausschließen. Wagenknecht scheint verstanden zu haben, dass die Fragen der Migrations- und Identitätspolitik differenzierte Antworten benötigen.

Am letzten Samstag wurden diese Antworten jedoch nicht gegeben. Es war wieder einmal nur die gegenseitige Zusicherung, dass man auf der moralisch guten Seite steht. Politisch bleibt diese Demonstration auch trotz der massiven quantitativen Symbolik von überschaubarer Wirksamkeit und Bedeutungskraft.

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